Einleitung: Warum Quellenarbeit in der Kriegsgeschichte entscheidend ist
Kriegs- und Militärgeschichte gehört zu den quellenintensivsten Bereichen der Geschichtswissenschaft. Entscheidungen über Krieg und Frieden, militärische Strategien oder das Erleben von Soldaten und Zivilisten lassen sich nur dann wissenschaftlich fundiert analysieren, wenn sie auf belastbaren Primärquellen beruhen. Sekundärliteratur allein reicht nicht aus, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Gerade in der Masterarbeit wird erwartet, dass Studierende zeigen, dass sie historische Quellen selbstständig finden, einordnen und kritisch auswerten können. Die Herausforderung besteht darin, mit oft fragmentarischen, parteiischen oder schwer zugänglichen Materialien umzugehen. Dieser Leitfaden soll Ihnen helfen, systematisch vorzugehen und typische Fehler frühzeitig zu vermeiden.
Thema eingrenzen: Zeitraum, Raum, Akteure, Konflikttyp
Der erste Schritt jeder erfolgreichen Quellenarbeit ist die präzise Eingrenzung des Themas. Ein zu breit angelegtes Forschungsvorhaben führt fast zwangsläufig zu oberflächlicher Analyse und schwacher Beleglage.
Stellen Sie sich daher früh folgende Fragen:
- Welcher Zeitraum ist relevant? Ein einzelnes Kriegsjahr, eine Phase oder ein konkretes Ereignis?
- Welcher Raum steht im Fokus? Ein Staat, eine Front, eine Stadt oder eine Region?
- Welche Akteure sollen untersucht werden? Militärführung, einfache Soldaten, Zivilbevölkerung, politische Entscheidungsträger?
- Um welchen Konflikttyp handelt es sich? Konventioneller Krieg, Guerillakrieg, Besatzung, Bürgerkrieg?
Je klarer diese Eckpunkte definiert sind, desto gezielter können Sie nach passenden Primärquellen suchen und desto stringenter wird Ihre Argumentation.
Quellenarten im Überblick
Archive
Archive sind die zentrale Anlaufstelle für militärhistorische Forschung. Dort finden sich Befehle, Lageberichte, Einsatzpläne, Personalakten oder diplomatische Korrespondenzen. Nationale Archive, Militärarchive und regionale Archive bieten oft unterschiedliche Perspektiven auf denselben Konflikt.
Memoiren und Ego-Dokumente
Tagebücher, Briefe und Memoiren liefern wertvolle Einblicke in individuelle Wahrnehmungen. Sie eignen sich besonders, um Erfahrungen von Soldaten oder Zivilisten zu analysieren. Gleichzeitig erfordern sie eine besonders sorgfältige Quellenkritik, da Erinnerungen subjektiv und nachträglich gefärbt sein können.
Zeitungen und Propagandamaterial
Zeitgenössische Presse, Flugblätter oder Radiosendungen spiegeln öffentliche Diskurse, Zensur und Propaganda wider. Sie sind unverzichtbar, um die Wahrnehmung von Krieg in der Gesellschaft zu untersuchen.
Karten, Fotos und visuelle Quellen
Militärkarten, Luftaufnahmen oder Fotografien liefern räumliche und visuelle Informationen, die schriftliche Quellen ergänzen. Sie sollten jedoch immer im Entstehungskontext analysiert werden, da auch Bilder gezielt inszeniert sein können.
Regierungs- und Verwaltungsdokumente
Gesetze, Verordnungen, Kabinettsprotokolle oder internationale Verträge zeigen die politische und administrative Ebene von Kriegen. Sie sind besonders wichtig für Arbeiten zur Kriegsökonomie, Besatzungspolitik oder Militärverwaltung.
Literaturrecherche: Datenbanken, Bibliografien, Schlagwörter
Eine fundierte Quellenarbeit beginnt mit einer systematischen Literaturrecherche. Fachbibliografien, historische Datenbanken und digitale Archivportale helfen dabei, relevante Bestände zu identifizieren.
Arbeiten Sie mit:
- thematischen Schlagwörtern in mehreren Sprachen
- Namensvarianten von Orten und Akteuren
- Zitationsketten aus zentralen Fachpublikationen

Sekundärliteratur dient hier als Wegweiser zu Primärquellen. Achten Sie darauf, welche Archive andere Forschende genutzt haben und welche Quellengruppen als besonders aussagekräftig gelten.
Quellenkritik: Herkunft, Perspektive, Bias und Kontext
Primärquellen sprechen nicht für sich selbst. Sie müssen kritisch befragt werden. Zentrale Fragen der Quellenkritik sind:
- Wer hat die Quelle erstellt und zu welchem Zweck?
- Welche Perspektive wird eingenommen?
- Welche Interessen oder Zwänge könnten den Inhalt beeinflusst haben?
- In welchem historischen Kontext entstand die Quelle?
Besonders in der Kriegsgeschichte ist es wichtig, mehrere Quellen miteinander zu vergleichen. Erst der Abgleich unterschiedlicher Belege ermöglicht es, Verzerrungen zu erkennen und belastbare Aussagen zu treffen.
Aufbau der Arbeit: Fragestellung, Methode und Argumentationslogik
Eine klare Struktur hilft, die Quellenanalyse nachvollziehbar darzustellen. Ausgangspunkt ist eine präzise Fragestellung, die direkt aus dem eingegrenzten Thema abgeleitet wird.
Darauf aufbauend sollten Sie:
- Ihre methodische Vorgehensweise erläutern
- die Auswahl der Quellen begründen
- die Kapitel logisch aufeinander aufbauen
Die Argumentation sollte stets von den Quellen ausgehen und nicht umgekehrt. Vermeiden Sie es, vorgefertigte Thesen in das Material hineinzulesen.
Typische Fehler in Masterarbeiten zur Kriegsgeschichte
Bestimmte Probleme treten immer wieder auf:
- Das Thema ist zu breit gefasst
- Es werden zu wenige oder ungeeignete Primärquellen verwendet
- Quellen werden nur zusammengefasst, nicht analysiert
- Sekundärliteratur ersetzt eigene Quellenarbeit
Diese Fehler lassen sich vermeiden, wenn frühzeitig geplant und kontinuierlich reflektiert wird.
Unterstützung sinnvoll nutzen: Lektorat, Feedback und Strukturhilfe
Gerade bei umfangreichen Arbeiten kann externe Unterstützung sinnvoll sein. Ein fachliches Lektorat hilft, Argumentationslücken, Unklarheiten oder sprachliche Schwächen zu erkennen. Feedback von erfahrenen Dritten kann den Blick auf die eigene Arbeit schärfen.
In manchen Fällen informieren sich Studierende auch über Angebote wie Masterarbeit schreiben lassen, um den Arbeitsaufwand realistisch einzuschätzen oder strukturelle Orientierung zu erhalten. Entscheidend ist dabei, Unterstützung verantwortungsvoll zu nutzen: als Hilfe zur Verbesserung der eigenen Arbeit, nicht als Ersatz für eigenständige Forschung.
Fazit: Checkliste für den Start
Zum Abschluss eine kompakte Checkliste für den Beginn Ihrer Masterarbeit in der Kriegs- und Militärgeschichte:
- Thema klar eingegrenzt
- Zentrale Primärquellen identifiziert
- Relevante Archive und Datenbanken bekannt
- Fragestellung präzise formuliert
- Methodisches Vorgehen geplant
- Zeit für Quellenkritik und Vergleich eingeplant
Wer diese Punkte berücksichtigt, legt ein solides Fundament für eine überzeugende und wissenschaftlich belastbare Masterarbeit. In der Kriegsgeschichte entscheidet nicht die Menge der Quellen, sondern deren kluge Auswahl und kritische Auswertung über die Qualität der Forschung.
